{"id":398,"date":"2017-05-25T17:42:16","date_gmt":"2017-05-25T16:42:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=398"},"modified":"2017-07-25T18:41:29","modified_gmt":"2017-07-25T17:41:29","slug":"neue-heimat-in-der-ferne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=398","title":{"rendered":"Neue Heimat in der Ferne"},"content":{"rendered":"<p>Seit Menschengedenken gibt es Wanderbewegungen. Unterschiedliche Gr\u00fcnde veranlassen die Menschen, eine angestammte Gegend zu verlassen in der Hoffnung, woanders bessere wirtschaftlich Voraussetzungen und Erwerbsm\u00f6glichkeiten vorzufinden.<\/p>\n<p>Migration, Immigration, Zuwanderung und Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft, Religion und kulturellem Hintergrund ist mittlerweile weltweit ein Thema von h\u00f6chster Aktualit\u00e4t und Priorit\u00e4t. Viele Menschen fl\u00fcchten vor Krieg, Gewalt oder Naturkatastrophen um woanders, unter ganz neuen Voraussetzungen und vollkommen neuer Umgebung mit anderen Sitten, Gebr\u00e4uchen und anderem Rechts- und Werteverst\u00e4ndnis ein neues Leben zu beginnen.<\/p>\n<p>Ich habe 32 Jahre meines Berufslebens im Ausland in zehn verschiedenen L\u00e4ndern mit den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen verbracht. Filipinos habe ich \u00fcberall getroffen und Freundschaften geschlossen, die auch heute noch von beiden Seiten gepflegt werden. Die Filipinos waren dem Gastland gegen\u00fcber immer loyal und positiv eingestellt, trotz der meist grossen Communities gab es so gut wie nie Probleme mit der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung oder anderen Religions- und Kulturgemeinschaften. Auch mit den Gesetzen kamen sie nicht in Konflikt und stellten f\u00fcr die lokalen Beh\u00f6rden keinen Risikofaktor dar.<\/p>\n<p>Die Filipinos sind fleissig, haben vielfach eine sehr gute Ausbildung und unterst\u00fctzen mit dem Ersparten die Familien in der Heimat. Ein friedliches Miteinander stand an oberster Stelle, Konfrontation ist nicht ihre Sache, die Gastfreundschaft ist sprichw\u00f6rtlich, sobald sie zu jemand Vertrauen gefunden haben. Was sie aber \u00fcberall gemeinsam haben ist ihre Liebe zur Heimat und die wird auch in der Ferne mit der Pflege ihrer Kultur aufrecht erhalten.<\/p>\n<p>Ich war oft bei Veranstaltungen eingeladen, zu Beginn wurden stets die philippinische Hymne und selbstverst\u00e4ndlich auch jene des Gastlandes gespielt.<\/p>\n<p>In Malaysia\u2019s Hauptstadt Kuala Lumpur hatte ich einmal ein sehr bewegendes Erlebnis: es war Mitte der 1990er Jahre, Anfang Dezember, gewohnt habe ich in einem grossen Hotel, in dem ein \u00f6sterreichischer Freund von mir Hoteldirektor war. An einem Nachmittag ging ich in die Lobby-Bar, da ich bis zum n\u00e4chsten Termin noch gen\u00fcgend Zeit hatte. Es waren noch keine G\u00e4ste dort, aber zwei Paare, Musiker aus den Philippinen. Sie spielten \u00fcber eine Stunde als einzigen Gast nur f\u00fcr mich, eine wunderbare Musik, ich h\u00e4tte lange zuh\u00f6ren k\u00f6nnen. Wir haben uns dann pers\u00f6nlich kennengelernt und ich lud die beiden Ehepaare spontan zum Abendessen ein, weil sie so sympathisch waren. Ich habe dann ihre Lebensgeschichte erfahren und sie haben mir von ihren Pl\u00e4nen erz\u00e4hlt. Es ist mir dann auch gelungen, ihnen eine Spielsaison in einem Hotel in Singapur zu vermitteln. Lange waren wir in Kontakt, aber irgendwann haben sich auch die Spuren verloren. Aber wie dem auch sei: ein Erlebnis, das ich nicht missen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>In Schweden und Frankreich, wo ich die meisten meiner Auslandsjahre verbracht habe, war es einfacher, allein schon durch die lange Dauer des Aufenthaltes, den Kontakt zu philippinischen Freunden zu halten. Ich erinnere mich an ein Midsommarfest (das Fest zum l\u00e4ngsten Tag des Jahres und Sommersonnenwende). Die philippinischen Freunde kamen in Tracht und brachten Spezialit\u00e4ten aus ihrer Heimat mit. Die Filipinos brachten sich eben \u00fcberall positiv ein. In meinem Freundeskreis waren ausserdem etliche M\u00e4nner mit Frauen aus den Philippinen verheiratet und so konnte ich die exzellenten philippinischen Spezialit\u00e4ten so oft ich wollte vor Ort geniessen.<\/p>\n<p>Beeindruckt hat mich immer ihr sozialer Zusammenhalt, wo immer sie auf der Welt waren und der Wille, sich problemlos in die Gesellschaft des Gastlandes zu integrieren, ohne dabei die Wurzeln ihrer Herkunft zu verleugnen. Wenn ich vorhin erw\u00e4hnt habe, dass sich Filipinos gut in der Fremde integrieren, dann sei ganz allgemein dazu angemerkt, dass Integration nur dann funktioniert, wenn sie auf Basis des gegenseitigen Respekts, der Toleranz und der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen beruht. Ab dem Moment, in dem eine Gruppe, egal, ob es eine religi\u00f6se oder politische \u00dcberzeugung ist, beginnt, Andersgesinnte zu unterdr\u00fccken, auszugrenzen oder gar zu eliminieren, um ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen, wird das Zusammenleben problematisch. Es geht nicht um eine Konfrontation von Religionen und Kulturen, wenn Friede erwartet wird, dann sind alle in gleichem Masse gefordert, einen aktiven Beitrag dazu zu leisten.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-422\" src=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Hermann.klein_-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Hermann Kroiher ist Generalsekret\u00e4r vom UNCAV United Nations Correspondents Association Vienna<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Menschengedenken gibt es Wanderbewegungen. 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