{"id":537,"date":"2018-07-15T12:32:23","date_gmt":"2018-07-15T11:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=537"},"modified":"2018-07-18T20:25:45","modified_gmt":"2018-07-18T19:25:45","slug":"bindestrich-identitaet-bikulturalitaet-identitaetssuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=537","title":{"rendered":"Bindestrich-Identit\u00e4t, Bikulturalit\u00e4t, Identit\u00e4tssuche"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Impressionen einer Filipina der 2. Generation in <\/em><\/strong><strong><em>\u00d6<\/em><\/strong><strong><em>sterreich<\/em><\/strong><\/p>\n<h2>Philippinen-Vortr\u00e4ge, gelungenes Projekt des Sentro<\/h2>\n<p>Bei Verfolgung meines Forschungsinteresses f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Philippinenforscher Ferdinand Blumentritt und meiner pers\u00f6nlichen Identit\u00e4tssuche als \u00f6sterreichisch-philippinische Mestizin (philippinisch: Mestiza) landete ich 2014 erfreulicherweise bei den sehr interessanten Philippinen-Vortr\u00e4gen, die das Sentro in Kooperation mit dem Institut f\u00fcr Geographie und Regionalforschung in den prunkvollen R\u00e4umlichkeiten des Weltmuseums organisiert hatte. Neben vieler anderer interessanter Beitr\u00e4ge, war ich dementsprechend gefesselt von dem Vortrag von Gisela Reiterer \u00a0zum Thema \u201eSind die (Jugendlichen) Filipinos angekommen? Generationskonflikte und Identit\u00e4tsfindung\u201c, bei der die Studienergebnisse 42 befragter junger Austro-Filipino\/as der 2. Generation pr\u00e4sentiert wurden. Reiterer (die lange Zeit als einzige Expertin der 1. und 2. Generation der Austro-Filipino\/as galt) beschrieb, wie die philippinische Migration nach \u00d6sterreich 1973 mit den philippinischen Diplomkrankenschwestern anfing und verglich die gelungene Integration der Austro-Filipinos\/as im Vergleich zu anderen MigrantInnen aufgrund unterschiedlicher Migrationsbedingungen. In ihren Publikationen zur 2. Generation (Reiterer 2010, 2008) beschreibt sie auch die Schwierigkeit des damaligen Auffindens der 2. Generation der Austro-Filipino\/as, da in Statistiken in \u00d6sterreich Geborene als \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerInnen erfasst wurden, was mir sehr interessant erschien, denn in heutigen Debatten um ge- oder misslungene Integration wird eine Dringlichkeit in der Erfassung der 2. und 3. Generation gesehen, obwohl eine solche Erfassung von z.B. Drittgenerationen\/EnkelInnen von ImmigrantInnen wiederum f\u00fcr eine Exklusion dieser \u00d6sterreicherInnen mit Migrationshintergrund sorgt. F\u00fcr mein Entsetzen sorgte allerdings Reiterers Conclusio (die sich in ihren Publikationen immer wieder unreflektiert wiederholt, Reiterer 2010, 2008) dar\u00fcber, dass sowohl unsere Eltern (1. Generation) als auch wir Austro-Filipino\/as der 2. Generation keinen Wert mehr auf die Ausbildung legen w\u00fcrden, was durch das eifrige Mitschreiben der zuh\u00f6renden Studierenden der Universit\u00e4t Wien f\u00fcr mich noch unertr\u00e4glicher machte. Wenn man die philippinische Kultur studiert und verstanden hat, wird man unweigerlich damit konfrontiert, dass Filipino\/as stets viel Wert auf eine gute Ausbildung legen (N\u00e4heres dazu sp\u00e4ter) und, dass eine solch gegenteilige Behauptung dar\u00fcber hinaus f\u00fcr eine Verletzung des philippinischen Rufes sorgt (siehe Thema \u201ehiya\u201c in Wolf, Diane L.: 1997 S469; siehe Thema \u201elosing face\u201c in Scholz, Dearly: S6, siehe Thema: \u201etsismis\u201c in Anastacio, Marjorie Anne: \u201eGirls just wanna have Fun! An Ethnography of young Filipinas\u2019 Leisure Culture in Vienna.\u201c Diplomarbeit. Universit\u00e4t Wien. 2010. S65ff).<\/p>\n<p>Bildung hat f\u00fcr alle Filipinos\/as immer einen besonders hohen Stellenwert, weshalb mir diese Schlussfolgerung unerkl\u00e4rlich erschien und ich mich dazu verpflichtet sah, als Austro-Filipina der 2. Generation meine Impressionen \u00fcber unsere Generation in den Philippinen-Vortr\u00e4gen zu schildern:<\/p>\n<p>Das Programm meines Vortrages beinhaltete folgende Themen:<\/p>\n<ul>\n<li>Philippinen<\/li>\n<li>2. Generation der Filipino\/as in \u00d6sterreich<\/li>\n<li>Philippinische Migration nach \u00d6sterreich<\/li>\n<li>Bikulturalit\u00e4t: Identit\u00e4t zwischen zwei Welten<\/li>\n<li>Bikulturalit\u00e4t: Philippinische Identit\u00e4t<\/li>\n<li>Video von apl.d.ap \u00fcber die 2. Generation<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Interkulturalit\u00e4t der Philippinen<\/h2>\n<p>In einer kurzen Vorstellung der Philippinen hatte ich die Intention die Interkulturalit\u00e4t und Multilingualit\u00e4t der Filipino\/as darzustellen.<\/p>\n<h3>Sprachen<\/h3>\n<p>Die Philippinen bestehen aus 7.108 Inseln, haben sehr viele verschiedene Ethnien und es existieren ca. 120 bis 170 verschiedene philippinische Sprachen, die der austronesischen Sprachfamilie angeh\u00f6ren. Amts- und Unterrichtssprachen sind Tagalog (Filipino) und Englisch. Bez\u00fcglich der philippinischen Multilingualit\u00e4t hatte ich in einem Kreolistik-Workshop einen sprachenpolitischen Ausschnitt aus der Sicht der Chabacano de Zamboanga-\/Zamboangue\u00f1o-SprecherInnen (philippinisches Kreolspanisch in Zamboanga) folgenderma\u00dfen geschildert.<\/p>\n<p>In Mindanao zum Beispiel wird Zamboangue\u00f1o ausschlie\u00dflich im engsten Familienkreis gesprochen. Eink\u00e4ufe und sonstige Beh\u00f6rdenerledigungen werden in der Regionalsprache, in Mindanao also in Visaya kommuniziert. Bereits in den ersten Unterrichtsjahren wird auf Tagalog und Englisch unterrichtet, sodass Zamboangue\u00f1o-SprecherInnen in fr\u00fchen Jahren viersprachig, Visaya-SprecherInnen und alle anderen Regionalsprachen-SprecherInnen auf den Philippinen dreisprachig und Tagalog-SprecherInnen zumindest zweisprachig aufgewachsen sind.<\/p>\n<p>Mehr dazu:<\/p>\n<p>Lesho, Marivic\/Sippola, Eeva: \u201eThe sociolinguistic Situation of the Manila Bay Chabacano-Speaking Communities.\u201c In: <em>Language Documentation &amp; Conservation<\/em>. Vol. 7. 2013. S. 1- 30)<\/p>\n<h3>Philippinische Kolonialgeschichte<\/h3>\n<p>Welche Bedeutung hat es, wenn die Philippinen mit \u201cWestern Mind, Latin Heart, Asian Soul\u201d beschrieben werden? Als 1521 Ferdinand Magellan mit Betretung der philippinischen Inseln die erste Umsegelung der Weltkugel erreichte, begann das spanische Interesse f\u00fcr den Archipel und ab Mitte des 16. Jahrhunderts standen die Philippinen beinahe 350 Jahre unter der spanischen Kolonialherrschaft. Im Zuge des spanisch-amerikanischen Krieges und des Pariser Friedens wurden die Philippinen von den Nordamerikanern okkupiert. Erst 1946 endete die Fremdherrschaft. Aufgrund der philippinischen Geschichte sind daher besonders spanische und nordamerikanische Einfl\u00fcsse in der philippinischen Kultur vereint.<\/p>\n<p>Mehr zur Kolonial- und Unabh\u00e4ngigkeitsgeschichte:<\/p>\n<p>Sichrovky, Harry: \u201eDer Revolution\u00e4r von Leitmeritz. Ferdinand Blumentritt und der philippinische Freiheitskampf.\u201c \u00d6BV, Wien, 1983.<\/p>\n<p>Limpahan, Nicole: \u201eFerdinand Blumentritt: El investigador austr\u00edaco sobre Filipinas a finales del siglo XIX y sus estudios ling\u00fc\u00edsticos<em>.<\/em>\u201d Master-Arbeit. Universit\u00e4t Wien. 2014.<\/p>\n<h2>Philippinische Migration nach \u00d6sterreich und die 2. Generation<\/h2>\n<p>Als Tochter einer der ersten philippinischen Diplomkrankenschwestern in Wien konnte ich von klein auf beobachten, wie aus ein paar vereinzelten wenigen Krankenschwestern eine gro\u00dfe Filipino Community erwachsen ist. Als Kind nahm ich wahr, wie Filipinos und Filipinas noch verunsichert aufgrund der Sprachenunsicherheiten, Kulturunterschiede und der \u00f6sterreichischen B\u00fcrokratie in Wien ankamen und sich im Laufe der Zeit immer selbstbewusster in den \u00f6sterreichischen Alltag einlebten. Ich erlebte mit, als philippinische Krankenschwestern \u00f6sterreichische M\u00e4nner heirateten und ich wuchs mit ihren Kindern, die, wie ich meist Mestizo\/as waren, auf. Wir hatten \u00e4hnliche Entwicklungen und \u00e4hnliche Sprachkenntnisse, denn wir beherrschten alle Englisch und tauschten uns \u00fcber erlernte philippinische W\u00f6rter aus. Es gab aber sp\u00e4ter auch j\u00fcngere Kinder, die ebenfalls der 2. Generation angeh\u00f6ren, aber anders als wir MestizInnen \u201ephilippinischer\u201c aufwuchsen und ausgezeichnete Filipino-Sprachkenntnisse aufwiesen. Aus diesen Beobachtungen und den erg\u00e4nzenden Migrationsbeschreibungen Reiterers ergab sich f\u00fcr mich folgende Aufteilung f\u00fcr die Austro-Filipino\/as der 2. Generation:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-567\" src=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE-1024x594.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE-1024x594.png 1024w, https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE-300x174.png 300w, https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE-768x446.png 768w, https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Tabelle_2_generation_Filos_in_OE.png 1225w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Folie 4 aus dem Vortrag am 08.06.2018 von Limpahan, Nicole: <em>Bindestrich-Identit\u00e4t, Bikulturalit\u00e4t, Identit\u00e4tssuche &#8211; Impressionen einer Filipina der 2. Generation in \u00d6sterreich. <\/em>Philippinen-Vortr\u00e4ge am Institut f\u00fcr Geographie und Regionalforschung der Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n<h2>Bikulturalit\u00e4t \/ Identit\u00e4tspluralit\u00e4t: Die philippinische Identit\u00e4t<\/h2>\n<h3>Ausbildung<\/h3>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, bedarf die Conclusio Reiterers zu den Studien \u00fcber die Austro-Filipino\/as und ihre Haltung zum Thema Ausbildung einer Revision, vor allem besonders dann, wenn folgende Schlussfolgerungen wiederholt publiziert wurden:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>First generation community members, however, claim that Filipino migrant parents often press their offspring to start earning early and to forego further formal education. For many, the migration project seems to be completed when their children find a relatively secure job<\/em>. <em>[\u2026] At present, however, a social upward movement cannot be seen either. <\/em>(S 159)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Thus, legal integration and socio-economic background prove favourable for educational opportunities and the social positioning of second-generation Filipino immigrants. However, while formal education still has some appeal, it seems to have lost some of its importance under the circumstances of migration. While other migrant groups tend to delegate upward social mobility to their offspring, Filipinos are content to see their children in relatively secure jobs. Career motivation is thus rather low among Austro-Filipino youth. What counts is earning money, not formal education. <\/em>(S 162)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Reiterer, Gisela M.: \u201eAustro-Filipino Youth. Cosmopolitan Austrians or Hyphenated Filipinos?\u201c S 149-164. In: Riegel, Christine: <em>Jugend, Zugeh\u00f6rigkeit und Migration: Subjektpositionierung im Kontext von Jugendkultur, Ethnizit\u00e4ts- und Geschlechterkonstruktionen<\/em>. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften. 2010\u00b2<\/p>\n<p>Es soll hier noch einmal betont werden, dass die philippinische Migration nach \u00d6sterreich damit begann, dass in den 1970ern in \u00d6sterreich ein Krankenpflege-Mangel herrschte und das Abkommen mit Philippinen eine Krankenpflege-Ausbildung vorsah (Reiterer: 2010 S 152 ff; <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000042916576\/Exportschlager-Philippinische-Krankenschwestern\">https:\/\/derstandard.at\/2000042916576\/Exportschlager-Philippinische-Krankenschwestern<\/a> Letzter Zugriff: 25.06.2018). Die Ausbildung der philippinischen Diplomkrankenschwestern (die im Vergleich zur damaligen \u00f6sterreichischen Krankenpflege-Ausbildung einer Universit\u00e4tsausbildung mit Bachelor degree entsprach) war also Voraussetzung f\u00fcr die \u00f6sterreichische Immigration und ein wichtiges Sprungbrett f\u00fcr die jungen Filipinas. Wie auch Reiterer beschreibt, sorgte jene Ausbildung dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die gelungene Integration der Austro-Filipinas:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>The specific circumstances of labor migration for Philippine nationals, their educational background, its originally predominantly female character, and the ensuing intermarriages with native Austrians, have created living conditions that differ significantly from those of other early immigrant groups. Filipino-Austrians of the first and second generations seem to be legally and socially better integrated in Austria than other immigrant groups from non-Western countries.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Reiterer: Filipino Austrians: \u201cTransforming Identities and Changing Selfhood Under Conditions of Migration.\u201d <em>Philippine Sociological Review<\/em>. 2008, Vol. 56. S36<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt, der die hohe Priorit\u00e4tensetzung der Filipino\/as auf die Ausbildung demonstriert, bietet folgende bewegende Beschreibung der philippinischen Psychotherapeutin in Wien aus der Sicht der Filipino\/as auf den Philippinen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>When I was in college, my parents wanted me to take up nursing like everybody else in my surroundings because this was the best chance to go abroad. Taking up nursing in the Philippines is very expensive because you have to pay the hospitals for practicum hours, but still lots of Filipinos take up nursing in the hope to go abroad afterwards. All my friends and cousins who took up nursing are now working in the Middle East and other parts of the world; 85 % of Filipino nurses leave the country. [\u2026]<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>The overseas Filipino workers especially the Filipina nurses are called the \u201cheroes of the nation\u201d in the Philippines. All Filipinos who are working overseas are called the heroes of our time. Every year, there is a Bagong Bayani Award or New Heroes Award; it is to pay tribute to the country\u2019s outstanding overseas Filipino workers (OFW\u2019s) as the new heroes of our time. Filipinos working abroad are heroes because they sacrifice family time in order to supply the family\u2019s financial need.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Sepulveda (Scholz) Dearly: The Imperceptible but Essential Filipino Husbands in Austria, Coping with Migration and Gender Identity. Diplomarbeit. Sigmund Freud Universit\u00e4t Wien. S 10ff<\/p>\n<p>Hier beschreibt Scholz, dass f\u00fcr die Philippinen die langj\u00e4hrige und teure Krankenpflege-Ausbildung eine erfolgversprechende Emigration garantiert. Auch wenn die Ausbildung lange dauert und sehr viel kostet, folgen viele Filipino\/as dem Vorbild der emigrierten philippinischen KrankenpflegerInnen. Demnach dienen jene philippinischen KrankenpflegerInnen den Filipino\/as auf den Philippinen nicht nur als Vorbild, sondern werden sogar als \u201eHeldInnen der Nation\u201c gesehen.<\/p>\n<p>Die philippinische Krankenpflege-Ausbildung hat somit f\u00fcr mehrere positive Auswirkungen gesorgt: erfolgreiche Migration, sozio\u00f6konomische Verbesserung f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr Familienmitglieder auf den Philippinen, gelungene Integration, die naturgem\u00e4\u00df auf die n\u00e4chste Generation \u00fcbertragen werden will.<\/p>\n<p>Bei der Pr\u00e4sentation habe ich einige Herausforderungen der Bikulturalit\u00e4t besprochen, wie Eigenwahrnehmung, Fremdbeurteilung und Ausgrenzungs\u00e4ngste. Solche Ausgrenzungs\u00e4ngste und negative Fremdbeurteilungen konnte die 1. Generation wahrscheinlich gut vermeiden, da die hohe Ausbildung und die gelungene Integration eine positive Fremdbeurteilung der Mehrheitsgesellschaft ausgel\u00f6st haben. Dementsprechend legt die 1. Generation der Filipino\/as einen hohen Stellenwert auf die Ausbildung ihrer Kinder. Anders als Reiterers Conclusio, habe ich erlebt, wie die philippinischen M\u00fctter keine Kosten und M\u00fchen scheuten, ihre Kinder in Privatschulen unterzubringen und ihre Talente in au\u00dferschulischen Freizeitbesch\u00e4ftigungen (Instrumente, Gesang, Tanz, Sprachen, Religion, Basketball, Volleyball, etc.) zu f\u00f6rdern. Eine treffende Erfassung jener philippinischen Kultur und jener Priorit\u00e4tensetzung auf die Ausbildung bietet die sehr empfehlenswerte Studie Wolfs \u00fcber die 2. Generation der Filipino\/as in den USA, wo sogar Lehrenden an den Schulen auffiel, dass besonders Kinder philippinischer Eltern unter einem hohen Druck auf gute Leistungen leiden:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>In response to our question as to whether Vallejo teachers and high school counselors noticed anything particular about their Filipino students as compared with their non Filipino students, particularly the children of immigrants, most responded without hesitation, referring to the intense academic pressure Filipino students of immigrants, especially Filipinas, receive from parents. This pressure was attributed to parents being immigrants, their desire to succeed, and their desire for their children to achieve at least their same middle to upper middle class status. Many teachers reported to us that they are aware that &#8222;anything less than an &#8218;A&#8216; was unacceptable.&#8220; Teachers&#8216; awareness of this pressure came from direct interaction with students and, in certain classes, from student papers and journals where students sometimes confided their concerns and problems whereas counselors dealt with students or their parents who were concerned with grades. As one head counselor stated, &#8222;there is less margin for grade acceptance than in any other group.&#8220; <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>In both schools, Filipino students excel in academic achievements, receiving the highest average GPAs compared with all other racial-ethnic groups (Vallejo Senior High School 1995). They, particularly the Filipinas, are also the school leaders, school valedictorians, and salutatorians; they predominate in the honors classes and in the California Scholarship Federation, and are extremely active in extra-curricular activities.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Wolf, Diane L.: Family Secrets: \u201cTransnational Struggles among Children of Filipino Immigrants. Sociological Perspectives\u201d, Vol.40 No.3, <em>Immigration and Incorporation<\/em> (1997), S 463<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erw\u00e4hnt Wolf zwar auch eine Schulabbruchsquote der US-philippinischen Sch\u00fclerInnen, allerdings ausgel\u00f6st aufgrund des hohen Leistungsdrucks der Eltern hinsichtlich guter Noten, und nicht wie Reiterers Behauptung aufgrund einer Forcierung der Eltern die Ausbildung abzubrechen mit dem Ziel fr\u00fch Geld zu verdienen.<\/p>\n<h3>Interkulturalit\u00e4t, Communities, Essen, Karaoke, Feiern<\/h3>\n<p>Kurze Erw\u00e4hnung in meiner zeitlich begrenzten Pr\u00e4sentation fand nat\u00fcrlich auch die weltoffene warmherzige und fr\u00f6hliche Interkulturalit\u00e4t der Filipinos, die in gro\u00dfen bunten Feiern mit Karaoke singen, T\u00e4nzen und mit vielen philippinischen Gerichten zelebriert wird.<\/p>\n<p>Herzlichst eingeladen, kann jedermann die philippinische Kultur an folgenden Orten erleben:<\/p>\n<ul>\n<li>Barrio Fiesta: Sa, 21.07.2018 ab 10h bis ca. 17h,<br \/>\nATV Liesing Sportplatz, Pellmanngasse, 1230 Wien<\/li>\n<li>Sentro \u2013 Philippinisches Wien in Favoriten im September<\/li>\n<li>MA 17 \u2013 Integrationsveranstaltung \u201eBuntes Wien\u201c<\/li>\n<li>Hotel Brilliantengrund, 1070 Wien, ganzj\u00e4hrig<\/li>\n<li>Restaurant Cafe Boracay, 1200 Wien, ganzj\u00e4hrig<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Gedenken an Anthony Bourdain\u2020, der nicht nur die philippinische Kulinarik, sondern die philippinische Kultur und Migration besonders treffend und r\u00fchrend erfasst hat, m\u00f6chte ich folgendes Video vorstellen (vor allem ab Minute 30:20): https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=drZtj8aeNjk<\/p>\n<h2>Video von apl.d.ap von Black eyed peas<\/h2>\n<p>Zu sehen unter: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wESgcExetso\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wESgcExetso<\/a><\/p>\n<p>Das Video von apl.d.ap und den Black eyed peas bietet einen kurzen lustigen Ausschnitt \u00fcber eine typische lustige philippinische Mutter und pr\u00e4sentiert einige Bilder der 2. Generation der US-Filipinos. US-Filipino Apl.d.ap rappt in der philippinischen Sprache Tagalog \u00fcber die philippinische Freude (feiern, essen, trinken, tanzen), die trotz der anf\u00e4nglichen Migrationsschwierigkeiten nie verloren geht und thematisiert die finanzielle Unterst\u00fctzung, die die emigrierten Filipino\/as ihren Familien auf den Philippinen zukommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wie auch an apl.d.aps vielen philippinischen Songs und seinem Einsatz f\u00fcr die Philippinen mit dem Motto \u201eWe can be anything\u201c (<a href=\"http:\/\/www.apldeapfoundation.org\/\">http:\/\/www.apldeapfoundation.org\/<\/a>) zu erkennen ist, sehnen sich viele Filipino\/as im Ausland nach ihren Wurzeln. Daher freue ich mich, dass es neben der vielen tollen Filipino Communities auch die Plattform des Sentro gibt, die sowohl die \u00f6sterreichische als auch die philippinische Kultur vereint.<\/p>\n<h2>Diskussions- und Fragerunde<\/h2>\n<p>Zu meinen pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken bez\u00fcglich der Ausbildung kann ich nur berichten, dass meine Mutter zwar nicht zu den Personen z\u00e4hlt, die Druck aus\u00fcben, dennoch war ein Schulabbruch f\u00fcr eine Filipina nie eine denk- und vorstellbare Option und w\u00fcrde eher einem Weltuntergang gleichen, was den Beobachtungen von Wolf sehr entspricht. Wie viele andere philippinische M\u00fctter bem\u00fchte sie sich stets um die F\u00f6rderung meiner Talente wie z.B. der Wahl eines Gymnasiums mit dem Schwerpunkt auf bildnerische Erziehung und auf die fr\u00fche Fremdsprachenvermittlung und erm\u00f6glichte mir mehrere au\u00dferschulische Freizeitaktivit\u00e4ten wie das Erlernen von Instrumenten, Tanz, Theaterunterricht, Russischunterricht und Volleyball.<\/p>\n<p>Die Frage nach unseren Kirchenbesuchen machte mir bewusst, dass der katholische Glaube als sehr wichtiger Teil der Filipino\/as in der K\u00fcrze meiner verf\u00fcgbaren Pr\u00e4sentationszeit untergegangen war. W\u00e4hrend die \u00f6sterreichische Bev\u00f6lkerung eher dazu tendiert sich von der Kirche abzuwenden, ist es die philippinische Gemeinde, die die \u00f6sterreichischen Kirchen wieder zahlreich f\u00fcllt. Die gro\u00dfe Rolle des Glaubens der Filipino\/as war ebenso bei dem letzten Papst-Besuch 2015 in Manila zu beobachten, wo mit der Teilnahme von 6 Millionen Menschen ein neuer Weltrekord aufgestellt wurde.<\/p>\n<p>Leider waren wir im Fragerunden-Panel nur durch \u00f6sterreichisch-philippinische MestizInnen der 2. Generation vertreten. Von Interesse ist vor allem f\u00fcr mich, wie die Entwicklung der 2. Generation Austro-Filipinos\/as, deren beide Elternteile Filipinos sind, hinsichtlich der Schulausbildung vonstattenging, im Vergleich zur Entwicklung von uns Mischlingen. Mit gro\u00dfer Neugier sehe ich gespannt auf die kommenden n\u00e4chsten Philippinen-Vortr\u00e4ge, bei der sich hoffentlich auch die 2. Generation Austro-Filipinos\/as zu Wort melden, deren Eltern meiner oben erw\u00e4hnten Aufteilung nach, beide Filipinos sind.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Nicole Limpahan, BA MA, Universit\u00e4t Wien<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/nicole_limpahan.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-540 alignnone\" src=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/nicole_limpahan.png\" alt=\"\" width=\"85\" height=\"115\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Stipendiatin der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC) am Institut f\u00fcr Romanistik der Universit\u00e4t Wien\u00a0Recipient of a DOC Fellowship of the Austrian Academy of Sciences University of Vienna<\/em><\/p>\n<p><em>Nicole ist Tochter einer der ersten philippinischen Diplomkrankenschwestern in Wien und ist wie viele Austrofilipinas\/os der 2. Generation eine \u00f6sterreichisch philippinische Mestiza. Sie liebt es Pinoy Food und Pinoy Sweets zu kochen und vor allem zu essen.<\/em><\/p>\n<p><em>In ihrem Studium bzw. in ihrer Masterarbeit befasste sie sich mit den linguistischen Studien des \u00f6sterreichischen Philippinenforschers Ferdinand Blumentritt.<\/em><\/p>\n<p><em>Als Doktorandin widmet sich Nicole derzeit in ihrem Dissertationsprojekt der Wissenschaftshistoriographie der Kreolsprachenforschung und untersucht welche Rolle Ferdinand Blumentritt in der Entstehung der Wissenschaftsdisziplin einnimmt. F\u00fcr ihr Forschungsvorhaben wurde ihr ein Stipendium der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC) verliehen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Impressionen einer Filipina der 2. Generation in \u00d6sterreich Philippinen-Vortr\u00e4ge, gelungenes Projekt des Sentro Bei Verfolgung meines Forschungsinteresses f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Philippinenforscher Ferdinand Blumentritt und meiner&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":545,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mensch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=537"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":568,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/537\/revisions\/568"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}