{"id":79,"date":"2016-12-21T20:54:47","date_gmt":"2016-12-21T19:54:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=79"},"modified":"2017-07-25T17:36:36","modified_gmt":"2017-07-25T16:36:36","slug":"was-ist-wirklich-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/?p=79","title":{"rendered":"Was ist eigentlich &#8222;wichtig&#8220;&#8230;?"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Philippinen-Urlaub 2009 hatte ich die M\u00f6glichkeit ab und zu auch einmal allein unterwegs zu sein. Ich nutzte die Gelegenheit und besuchte Banaue mit seinen ber\u00fchmten Reisterrassen. Um dorthin zu gelangen, entschied ich mich, mit dem Nachtbus von Manila aus zu fahren. Der Verkehr in Manila ist f\u00fcr den normalen Touristen ein undurchdringliches Gewirr aus Mopeds, Jeepneys, Taxis, Autos, Tricycles und auch Bussen. Um auf Nummer sicher zu gehen, die Busstation im Norden von Manila rechtzeitig zu erreichen, ging ich etwas eher los. Wider Erwarten fand ich die Busstation dann doch sehr schnell und so hatte ich noch circa 2 Stunden Zeit, die ich einfach mit Warten auf den Bus verbrachte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich wartete, sprach mich eine junge, neugierige Sitznachbarin an. Wie sich es herausstellte, war sie mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Tochter ebenfalls unterwegs in Richtung Norden, jedoch nahmen sie einen anderen Bus. Mit den \u00fcblichen Fragen nach dem Woher und Wohin kamen wir auf die Familien zu sprechen. Sie hatten ein kleines Feld gepachtet, welches die gesamte Familie bearbeitet. Jedoch sind sie immer zu wenig, um das Feld bearbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich fragte sie, \u201cWie viele Kinder haben Sie denn schon?\u201d, sie antwortete, \u201cIch habe nur eben diese eine Tochter\u201c. Sie w\u00fcrde ja gern mehr Kinder haben, damit diese ihnen sp\u00e4ter auf dem Feld helfen k\u00f6nnten, jedoch wirft das Feld nicht so viel Ertrag ab, um ein weiteres Kind zu ern\u00e4hren\u2026<\/p>\n<p>In dem Moment verstand ich, was die Quadratur eines Kreises bedeutet: Welche Entscheidung sie diesbez\u00fcglich auch trifft, immer wird es das andere Problem sein, welches sie ihre Existenz als B\u00e4uerin kosten kann. Zu wenig Arbeitskr\u00e4fte oder wenn dann zu wenig Ertrag, um zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Normalerweise bin ich in Ratschl\u00e4gen nicht verlegen, jedoch blieb ich wortlos zur\u00fcck, als die kleine Familie mit ihrem Bus sp\u00e4ter dann hinter der Hausecke in Richtung Norden verschwand\u2026<\/p>\n<p>In Gedanken vertieft, \u00fcberm\u00fcdet und von der Klimaanlage des Busses durchfroren erreichte ich dann am n\u00e4chsten Morgen Banaue. Kaum, dass sich die Bust\u00fcre \u00f6ffnete, wurde der Bus von einer Menge Tricycle-Fahrer umringt, die laut ihre Dienste anpriesen, um die wenigen im Bus sitzenden Touristen von ihren Vorz\u00fcgen zu \u00fcberzeugen. Aus diesem Gemenge heraus rettete ich mich in mein Guesthouse, um mich erst einmal aufzuw\u00e4rmen und zu fr\u00fchst\u00fccken. Ein Bekannter des Hauses sprach mich an, ob ich an einem Tagesausflug auf die Reisterrassen interessiert sei. Ich erkannte in ihm einen der zuvor vor dem Bus wartenden Fahrer und ich engagierte ihn als meinen Guide. Er hiess Jordan und sprach sehr gut Englisch. So konnte ich mich mit ihm auch \u00fcber andere Dinge als Sightseeing unterhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_93\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_07561.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-93\" class=\"wp-image-93\" src=\"http:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_07561-300x200.jpg\" alt=\"Reisterrassen oberhalb von Banaue\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_07561-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.servus-pinoy.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/DSC_07561.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-93\" class=\"wp-caption-text\"><em>Reisterrassen oberhalb von Banaue<\/em><\/p><\/div>\n<p>Jedoch kam es an dem Tag anders als geplant: Auf dem Weg durch die faszinierenden Reisterrassen setzte ich einmal einen Fu\u00df r\u00fcckw\u00e4rts auf die falsche Stelle, die unter meinem Gewicht nachgab. Ich verlor das Gleichgewicht und so fiel ich von einem Bew\u00e4sserungskanal aus ungef\u00e4hr 10m in die Tiefe. Die Beine und der Kopf wurden ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Der Rucksack hatte jedoch gr\u00f6bere Verletzungen verhindert und so brachte mich mein Guide zum Krankenhaus, um die Sch\u00fcrfwunden behandeln zu lassen.<\/p>\n<p>Als Ausl\u00e4nder wurde ich gleich dem Chefarzt vorgef\u00fchrt, der sich sehr um mich k\u00fcmmerte. Nach einer knappen halben Stunde waren die Wunden professionell behandelt und ich mit den entsprechenden Medikamenten versorgt. \u00dcber die Rechnung des Krankenhauses war ich dann doch mehr als erstaunt. Die Chefarztstunde kostete 300,- Pesos, jedoch kosteten die 6 Tabletten Antibiotika gegen eventuelle Entz\u00fcndungen der Wunden knapp 1600,- Pesos!<\/p>\n<p>In dem Reisef\u00fchrer wurde sehr wohl beschrieben, dass das philippinische Gesundheitssystem sehr gut ist, jedoch die meisten Einwohner es sich nicht leisten k\u00f6nnen. An dem Tag erlebte ich dies selbst\u2026<\/p>\n<p>Was geschieht mit den Einwohnern, die eine schwere Krankheit haben und diese vielleicht auch noch chronisch ist? Wie bezahlen diese die Medikamente? Auch wenn vielleicht der Arztbesuch nicht ganz so teuer ist \u2013 wie geht es f\u00fcr sie dann weiter?<\/p>\n<p>Mein Guide war ziemlich am Boden zerst\u00f6rt, da bei ihm noch keiner der von ihm gef\u00fchrten Touristen einen Unfall hatte. Er hatte zu unrecht ein schlechtes Gewissen, jedoch konnte ich es im leider nicht nehmen. So sehr ich mich auch bem\u00fchte, ihn davon zu \u00fcberzeugen, dass Unf\u00e4lle nun mal passieren k\u00f6nnen. Er k\u00fcmmerte sich den n\u00e4chsten Tag dann sehr um mich. Er lud mich zu seiner Familie ein, f\u00fchrte mich an Pl\u00e4tze, die ich mit trotz meines l\u00e4dierten Beines erreichen konnte und kochte f\u00fcr mich. Es gab nat\u00fcrlich Reis \u2013 zusammen mit R\u00fchrei und dem auf den Reisfeldern wachsenden <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wasserspinat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wasserspinat<\/a><\/strong> (Filipino: &#8222;kangkong&#8220; ). Ich hatte bis dahin und habe seitdem nie wieder so leckeren Reis gegessen!<\/p>\n<p>Naturreis, der auf diesen Reisterrassen angebaut wird. Aus Neugier fragte ich Jordan, \u201eWarum verkauft ihr diesen leckeren Reis oder exportiert ihn nicht?\u201c, Seine Antwort: \u201eDie Lebensmittel, welche wir brauchen, sind einfach teurer als der Reis. Daher essen wir den Reis selbst.\u201c<\/p>\n<p>Und um sich etwas mehr leisten zu k\u00f6nnen, verdingt er sich ab und zu, wenn es die Arbeit auf den Reisfeldern erlaubt, als Guide f\u00fcr Touristen und f\u00fchrt diese durch die Reisterrassen. Er w\u00fcrde gern weiter studieren, jedoch reicht daf\u00fcr sein Geld nicht aus\u2026<\/p>\n<p>Schon wieder war ich wortlos\u2026<\/p>\n<p>Auf den R\u00fcckweg nach Wien sa\u00df ich im Terminal am D\u00fcsseldorfer Flughafen einer jungen, attraktiven Gesch\u00e4ftsfrau gegen\u00fcber, die so laut telefonierte, dass ich ihrem kompletten Gespr\u00e4ch folgen konnte, ohne mich anstrengen zu m\u00fcssen. Dieses Gespr\u00e4ch drehte sich darum, dass sie sich von ihrem Vorgesetzten unverstanden f\u00fchlte und dieser ihre unglaublichen F\u00e4higkeiten nicht erkennen w\u00fcrde. Letztendlich sa\u00df ich ihr mindestens eine halbe Stunde gegen\u00fcber, jedoch gab es nur dies eine Thema w\u00e4hrend des ganzen Telefonats\u2026<br \/>\nUnd wieder war ich wortlos\u2026<\/p>\n<p>Ich stieg in den Flieger nach Wien und war in Gedanken wieder auf den Philippinen. Bei der Frau mit ihrem Kind und ihrer Mutter am Busbahnhof in Manila, bei meinem Guide in Banaue\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Philippinen-Urlaub 2009 hatte ich die M\u00f6glichkeit ab und zu auch einmal allein unterwegs zu sein. 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